Affolter-Konzept

Entstehung und Wirkweise des Affolter-Konzepts

Frau Félice Affolter entwickelte als Schülerin des Entwicklungspsychologen Jean Piaget ihr Konzept während jahrelanger Arbeit mit wahrnehmungsgestörten Patienten. Handlungsabläufe, die von Patienten mit Wahrnehmungsproblemen nicht ausführbar sind, werden gemeinsam mit dem Therapeuten ausgeführt.
Dadurch werden alltägliche Handlungsabläufe wieder erfahren, begriffen, spürbar, vertrauter; selbstständiges Handeln wird möglich und ein Lernprozess beginnt. Durch diese geführten Interaktionserfahrungen werden motorische, kognitive und emotionale Leistungen gefördert.
 
Das Affolter-Konzept wird auch „Geführte Interaktionstherapie“ genannt. Diese Therapie ermöglicht es den Patienten, praktisch und alltagsbezogen zu lernen. Bei gestörter Wahrnehmung kann man durch gezieltes Führen an Händen und Körper während alltäglicher Geschehnisse zur Verbesserung der gespürten Informationssuche beitragen.
Führen bedeutet, dass eine andere Person (Therapeut, Angehörige, Pflegepersonal etc.) mit dem Körper des Patienten Handlungen so ausführt, dass gemeinsam Beziehungen zwischen Patient und Umwelt hergestellt werden.
 
Das Arbeiten nach Affolter gehört mittlerweile zu den wichtigsten therapeutischen Ansätzen in der Arbeit mit schwer wahrnehmungsgestörten Patienten. 

Die Therapie nach dem Affolter Konzept

Der Therapeut steht hinter dem Betroffenen und führt seine Hände. Während des Führens wird nicht gesprochen. Die wahrnehmungsgestörten Kinder und hirngeschädigten Erwachsenen können so anhand von "problemlösenden Alttagssituationen" (zum Beispiel Frucht schälen und zerteilen, Pizza backen, staubsaugen...) Erfahrungen und Sicherheit über ihre Umwelt sammeln, die unterschiedlichsten Widerstände und ihre Veränderungen ertasten, berühren, loslassen, selbst Wirkungen erzielen, Ursachen verstehen und lernen, sich in neuen Situationen zurechtzufinden.
 
  • Spüren: Der Therapeut hilft dem Betroffenen über das Spüren. Die Information über die Beschaffenheit von Gegenständen ist sehr wichtig (Umwelt). Verschiedene Widerstände werden angeboten. So lernt der Betroffene Widerstandsverhältnisse beim Berühren, beim Umfassen, beim Bewegen und beim Loslassen. Die Regeln des Berührens werden erfahren. (die Unterlage, die Seitberührung). Spüren kann man nur, wenn der Körper sich bewegt oder bewegt wird. Dabei ist es wichtig, dass die Unterlage stabil bleibt!
  • Spüren und Wirken (Ursache und Wirkung): Gegenstände werden bewegt, Wirkungen erkannt. Es werden immer zuerst mit der Hand, verursachende Wirkungen ausgeführt (zum Beispiel: ein Apfel soll zerteilt werden. Zuerst versucht es der Patient mit der Hand. Der Apfel wird auf die harte Unterlage gedrückt. Es wird versucht, den Apfel mit den Fingernägeln zu zerteilen. Nichts passiert. Jetzt kann ein Messer zu Hilfe genommen werden).
  • Verstehen: Dinge können weggenommen werden. Die Wirklichkeit kann so verändert werden. Das Geschehnis wird erkannt, die Betroffenen, verstehen, das Lernen in Stufen beginnt. Zuerst werden Abfolgen von Tätigkeiten zu Gewohnheiten. (Gewohnheiten laufen immer in gleicher Richtung ab, in immer gleichen Situationen, sie sind unbeweglich, bringen nicht weiter, geben aber Sicherheit). Ist eine Tätigkeit spannend, steigt die Neugierde und der Lernende geht eine Stufe weiter.
  • Verinnerlichen: Verschiedene Situationen können verschieden gemeistert, andere Verhaltenssequenzen können eingeschoben werden. Eine Tätigkeit kann an verschiedenen Orten ausgeführt werden. Die Betroffenen verinnerlichen die gemachten Erfahrungen und sind zu Umwegverhalten fähig. Reihenfolgen können verändert, eine neue Ordnung kann aufgestellt werden.
  • Sprache: Vielfach hilft die motorische Aktivität, die sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern, auch in der Sprache beweglicher zu werden.

Kostenübernahme durch die Krankenkasse

Die Übernahme der Kosten weicht von Krankenkasse zu Krankenkasse stark ab und unterliegt selbst innerhalb der einzelnen Krankenkassen häufigen Veränderungen. Aus diesem Grund kann ich dazu keine allgemein gültige Aussage treffen. Grundsätzlich lässt sich jedoch sagen, dass private Krankenversicherungen eher die Kosten übernehmen.
 
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